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Kontext
Hintergrund: Politische Bildung in der Schweiz
Die Schweiz hat eine lange Tradition als repräsentative Demokratie mit einem hohen Anteil an direktdemokratischen Elementen. Im 19. Jahrhundert wurden die drei wichtigsten direkt-demokratischen Rechte eingeführt: das obligatorische Verfassungsreferendum (1848), das fakultative Gesetzesreferendum (1874) und die Volksinitiative (1891). Diese Mitwirkungsmöglichkeiten wurden im 20. Jahrhundert wesentlich ausgebaut. So erstaunt es nicht, dass noch immer über 50% aller weltweit durchgeführten Sachabstimmungen in der Schweiz stattfinden. Doch die Beteiligung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nahm ebenso ab wie die Bereitschaft, sich z.B. im Rahmen der Gemeinde aktiv zu beteiligen. Lag die Beteiligung bei den Kantonsratswahlen im Kanton Zürich 1917 noch bei über 80%, sank sie bis 2003 auf rund 34%.
Gerade in einem Land, in dem die Stimmbürgerinnen und -bürger oft und in allen Sachfragen mitbestimmen, scheint die Befähigung zur aktiven Teilnahme ein selbstverständlicher Bestandteil von Bildung auf allen Ebenen. Doch internationale Studien zeichnen ein anderes Bild: Im Rahmen der IEA Studie Civic Education wurden im Jahr 1999 in 28 Ländern rund 90’000 14- bis 15-Jährige und im Jahr 2001 in 16 Ländern 53’400 16- bis 19-Jährige junge Menschen hinsichtlich ihres politischen Verstehens getestet und bezüglich ihres Demokratieverständnisses, politischen Engagements sowie ihrer politischen Einstellungen und Konzepte befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen in der Schweiz im internationalen Vergleich in vielen Bereichen des politischen Wissens, Denkens, Fühlens und Handelns schlecht abschneiden. Die Ergebnisse der Schweizer Schülerinnen und Schüler liegen im internationalen Vergleich meist unter dem Durchschnitt.
Diese Ausgangslage führte in den letzten Jahren zu einer Intensivierung der Diskussion um die politische Bildung. In zahlreichen Kantonsparlamenten wurden Vorstösse für eine Verstärkung der politischen Bildung in den Schulen eingereicht. Während in diesen politischen Vorstössen noch oft traditionelle Vorstellungen von Institutionenlehre manifest werden, scheinen sich im Bildungsbereich Ideen durchzusetzen, die im Rahmen des Europarates als Demokratielernen definiert und 2007 in der Publikation «Politik und Demokratie – leben und lernen» (Schulverlag Bern) dargestellt wurden.